{"id":3071107000,"date":"2007-11-07T01:00:00","date_gmt":"2007-11-07T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.callboy-nick.ch\/de\/?p=3071107000"},"modified":"2007-11-07T01:00:00","modified_gmt":"2007-11-07T00:00:00","slug":"n-07110701","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.callboy-nick.ch\/de\/n-07110701\/","title":{"rendered":"M&auml;nner f&uuml;r gewisse Stunden"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: center;\">Der Sexmarkt f&uuml;r M&auml;nner boomt. Und der f&uuml;r Frauen? Annabelle-Autor Stephan Rathgeb ging der Frage nach. Sein Befund: Auch Frauen kaufen Sex. Doch sie tun es anders.<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">Text: Stephan Rathgeb \/ Photos: Maurice Haas<br \/>(<a href=\"http:\/\/www.annabelle.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.annabelle.ch<\/a>)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>A<\/strong>ls die Gleichberechtigung der Frau in Sachen Sex ein neues Kapitel schrieb, schienen die Frauen f&uuml;r einmal nicht sonderlich geneigt mitzulesen. Das erste Bordell f&uuml;r Frauen &ouml;ffnete hier zu Lande seine Tore 1994 in Z&uuml;rich, nahe der Universit&auml;t. Auch Studenten sollen sich angeboten haben, wie der &raquo;Tages-Anzeiger&laquo; berichtete, f&uuml;r hundert Franken die halbe Stunde. Doch anstatt der Businessladys seien Familienv&auml;ter darin verschwunden. Und so wurde aus dem Frauenbordell alsbald ein Schwulenpuff. Die Frauen sind zu Hause geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den vorerst letzten Versuch startete 2001 ein Stripper namens Calvin. Das Strippen hatte seine Bandscheiben ruiniert, weshalb er beschlo&szlig;, umzusatteln und in Leibstadt, Kanton Aargau, sechs Muskelpakete um sich zu scharen. Sein Laden hie&szlig; Angels. Passiert ist darin wenig. Kaum war das Angels er&ouml;ffnet, ging es auch schon wieder zu. Wenig sp&auml;ter sa&szlig; Calvin im Knast. Angeblich hatte er ein deutsches Rentnerp&auml;rchen ausgeraubt, weil er die Reparatur f&uuml;r seinen Opel nicht mehr zahlen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz offensichtlich lassen sich im &auml;ltesten Gewerbe der Welt die Rollen nicht so einfach vertauschen. Nicht einmal Hollywoods ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigter Callgirl-Ring-Betreiberin Heidi Flei&szlig; ist es gelungen, die weibliche Promiskuit&auml;t zu vergolden. In Nevada, wo Prostitution teilweise erlaubt ist, plante sie das erste Bordell f&uuml;r Frauen auf US-Boden. 250 Dollar sollte die Stunde mit ihren sch&ouml;nen Gespielen kosten. Heidi Flei&szlig; witterte das gro&szlig;e Gesch&auml;ft, und sie hatte auch schon den passenden Namen: Heidis Zuchthengstfarm. Das war 2005. Die Zuchthengstfarm gibt es auch heute nur im Internet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ist falsch gelaufen? Sind sich Frauen schlicht nicht gewohnt, M&auml;nner zu kaufen? Oder ist ein Bordell den Frauen einfach nicht anonym genug?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marianne von Allmen mu&szlig; es wissen. Ihr Ambassador-Escort ist eine der wenigen Agenturen, die auch M&auml;nner im Sortiment f&uuml;hrt. Die Frau lacht laut ins Telefon, als ich sie nach ihrem Angebot frage. Es ist ein ehrliches, unkontrolliertes Lachen. Jede Woche erhalte sie mindestens drei Anrufe von M&auml;nnern, die gern in ihre Dienste treten w&uuml;rden, sagt sie. Allein die Vorstellung, sich Damen f&uuml;r Geld anzubieten, m&uuml;sse f&uuml;r M&auml;nner der Himmel auf Erden sein. Doch Marianne von Allmen mu&szlig; alle Bewerber entt&auml;uschen. F&uuml;r einen Escortservice f&uuml;r Frauen, sagt sie, g&auml;be es schlicht keinen Markt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>V<\/strong>or drei Jahren habe sie ernsthaft versucht, daraus ein Business zu machen, mehrere wirklich attraktive M&auml;nner habe sie im Angebot gehabt, &uuml;berall Inserate geschaltet \u2013 ohne Erfolg. Alle Schaltjahre habe mal eine potentielle Kundin angerufen. Nur um dann unendlich lange zu plaudern, bevor sie zur Sache kam. F&uuml;r mich als Vermittlerin, sagt Marianne von Allmen, ist das mit zu viel Aufwand verbunden und deshalb nicht rentabel. Sie konzentriert sich heute wieder auf das florierende Gesch&auml;ft mit Escortdamen f&uuml;r M&auml;nner. Schade findet sie das schon, denn sie ist &uuml;berzeugt: Die Frau w&uuml;rde schon wollen, doch sie sei noch nicht so weit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Internet scheint ihr Recht zu geben. Callboys finden sich im Netz zwar viele, doch es braucht h&ouml;chstens einen zweiten Blick, um zu merken, da&szlig; die meisten wohl nicht oft gebucht werden. Schampi (56) aus Luzern sieht etwas gar streng aus mit seinem Bart. Er sitzt auf einem biederen Sofa und macht sich nicht mal die M&uuml;he, in die Kamera zu l&auml;cheln. Er bietet sich zu Dumpingpreisen an, achtzig Franken die Stunde gen&uuml;gen ihm. Trotzdem erweckt Schampi nicht den Eindruck, als w&uuml;rde er sein Sofa oft verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">E-phil, ein schlaksiger Typ mit Schlabberhosen, hat immerhin eine eigene Homepage. &raquo;Feste Frauen willkommen&laquo; lautet sein Begr&uuml;&szlig;ungstext. Auch er vertraut seinen Dienstleistungen nicht wirklich: Jedenfalls vertreibt er auf seiner Seite nebenbei noch Nahrungserg&auml;nzungsprodukte. Und auch zum Ikea-M&ouml;bel-Zusammenbauen sei er durchaus brauchbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf ein Rundmail mit zehn Fragen an alle 33 Selbstinserenten von www.swisscallboys.ch antworten nur zwei. Ich hatte im Mail unter anderem gefragt, wie viele Kundinnen sie denn so h&auml;tten, im Schnitt. Die beiden Ausnahmen, die diese Frage beantworten wollen oder vielmehr k&ouml;nnen, hei&szlig;en Nick und Othmar und sind Newcomer in der Branche. Othmar (30) ist ehemaliger Postangestellter. Er hat sich diesen Fr&uuml;hling selbstst&auml;ndig gemacht. Sieben Pornos hat er bereits gedreht, und seit Juli dieses Jahres bietet er sich auch als Callboy an. Schon zehn Stammkundinnen habe er an der Angel. Er sieht dies als Belohnung f&uuml;r zw&ouml;lf Jahre harte Arbeit im Fitne&szlig;studio. Und daf&uuml;r, da&szlig; er neben harten Muskeln auch eine softe Seite anzubieten habe und auf Frauen eingehen k&ouml;nne. Diese Kombination, sagt er, bringe jede Frau zum Schmelzen. Doch seit kurzem ist er mit einer bekannten Pornodarstellerin liiert, die er bei einem Dreh kennen gelernt hat. Und weil sie bereits jetzt eifers&uuml;chtig ist auf seine Kundinnen, ist fraglich, wie lange er den Frauen seine Dienste noch anbieten kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Callboy Nick (31) hat diesen Punkt mit seiner langj&auml;hrigen Freundin gekl&auml;rt. Demn&auml;chst werden die beiden heiraten, und seine Braut will ihn in Zukunft sogar managen. Obwohl er erst seit Anfang Jahr im Gesch&auml;ft ist, hat auch Callboy Nick bereits eine Handvoll Stammkundinnen, die ihn auf Trab halten. Doch von nichts kommt nichts, sagt Nick, der tags&uuml;ber als Behindertentaxifahrer arbeitet. Wochenlang hat er an seiner Homepage programmiert und diese f&uuml;r die Suchmaschinen optimiert. Regelm&auml;&szlig;ig schaltet er Anzeigen in Regionalzeitungen. Auch im Fernsehen tritt er auf. Nick identifiziert sich derart mit dem Job, da&szlig; er auch bereit ist, die Konsequenzen zu tragen; die k&uuml;nftige Schwiegermutter hat nach dem Fernsehauftritt angek&uuml;ndigt, die Hochzeit zu boykottieren. Damit mu&szlig; man als Callboy wohl leben k&ouml;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Bett m&uuml;sse ein guter Callboy seine eigenen Bed&uuml;rfnisse konsequent zur&uuml;cknehmen, sagt Nick. Nur wer sich &uuml;ber den Orgasmus der Partnerin so sehr freue wie &uuml;ber den eigenen, tauge f&uuml;r diesen Job.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein Erfolgsrezept: Die Frau hat immer Vortritt, sagt Nick, auch im Bett. Nick hofft, da&szlig; er irgendwann von seinem Nebenjob wird leben k&ouml;nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>ieses Ziel hat sich Marcel nie gesteckt. Und genau das ist wohl das Geheimnis seines Erfolgs. Marcel ist der dienst&auml;lteste Callboy, den ich gefunden habe. Doch Gigolo ist vielleicht die bessere Berufsbezeichnung f&uuml;r einen, der sagt: Frauen zahlen nicht f&uuml;r Sex, sondern f&uuml;r einen Partner. Marcel ist 36, seit zehn Jahren im Gesch&auml;ft und der Beweis daf&uuml;r, da&szlig; Frauen scheinbar keine Hemmung haben, f&uuml;r M&auml;nner in die Tasche zu greifen. Doch es l&auml;uft anders ab: Sex, sagt er, finde nicht als Tauschhandel statt. W&auml;hrend viele M&auml;nner allein schon die Phantasie anturnt, eine Frau f&uuml;r Sex zu bezahlen, ist der Kaufakt bei Frauen nie ein Thema. Er wird geradezu umschifft. Als w&auml;re es das Nebens&auml;chlichste der Welt, schieben ihm die Kundinnen meist schon zu Beginn das Couvert mit den N&ouml;tli zu. Nachz&auml;hlen ist nicht n&ouml;tig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel tr&auml;gt einen dunklen Anzug. Kurze Haare. Elegante Schuhe. Wie es sich f&uuml;r einen Gigolo geh&ouml;rt. Ein gepflegter Dreitagebart signalisiert M&auml;nnlichkeit. Er ist der Typ Mann, den Frauen gern erobern. Marcel ist ein attraktiver Mann. Souver&auml;n in seiner Zur&uuml;ckhaltung. Er ist &auml;u&szlig;erst h&ouml;flich, hat tadellose Manieren. Und ist sich gewohnt zuzuh&ouml;ren, statt von sich zu reden. Er strahlt etwas Unabh&auml;ngiges aus. Wirkt geerdet und bei sich. Und in keiner Weise k&auml;uflich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>T<\/strong>ags&uuml;ber arbeitet er im B&uuml;ro, zu hundert Prozent. Callboy zu sein ist f&uuml;r ihn ein Hobby, ein gut bezahlter Nebenjob, auf den er nicht angewiesen ist. Er glaubt, da&szlig; das f&uuml;r seinen Erfolg ein wichtiger Faktor ist. Die Frauen sp&uuml;ren das, sagt er. Er hat im Schnitt ein bis zwei Auftr&auml;ge pro Woche \u2013 und das seit &uuml;ber zehn Jahren. Die meisten Kundinnen werden zu Stammkundinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frauen, die mich kontaktieren, sagt Marcel, k&ouml;nnten &uuml;berall einen Mann finden, und doch kommen viele lieber zu mir. Ein Umstand, der ihn anfangs selbst erstaunte. Seine j&uuml;ngste Kundin war gerade mal 25, und auch die kam mehr als einmal. Oft hat Marcel seine Kundinnen gefragt: Warum bist du bei mir? Du findest doch in jedem Club einen! \u2013 Ja, war die Antwort meist, doch der ruft mich st&auml;ndig wieder an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel ruft nie eine Kundin an. Das hat er sich zur Regel gemacht. Seine Diskretion ist f&uuml;r die meisten seiner Kundinnen ausschlaggebend. Denn fast alle haben zwar einen Mann, aber keine erf&uuml;llte Sexualit&auml;t. Manchmal sei auch einfach Neugier dabei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel hatte schon Hausfrauen, Businessfrauen, Selbstst&auml;ndige als Kundinnen, sogar eine Kunstmalerin war dabei. Stets seien die Frauen gepflegt, tragen sch&ouml;ne Dessous wie zu einem Date und sind, erstaunlicherweise, wie er findet, alle rasiert. Wahrscheinlich, um sich keine Bl&ouml;&szlig;e zu geben. Viele haben im Bett schlechte Erfahrungen gemacht, wurden entt&auml;uscht und verletzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marcel kostet 400 Franken. Ob eine Stunde oder zwei, er schaut nicht auf die Uhr. Da mu&szlig; man gro&szlig;z&uuml;gig sein, sagt er. Auf die Zeit achten sei f&uuml;r Frauen ein Abt&ouml;rner. Beim ersten Mal seien seine Kundinnen oft nerv&ouml;s, sagt Marcel. Entschuldigten sich sogar, sie h&auml;tten so was noch nie gemacht. Und w&uuml;&szlig;ten gar nicht, wie das geht mit einem gekauften Mann. Dann &uuml;bernimmt er die F&uuml;hrung. Die Frauen, sagt er, die zu mir kommen, wollen das, sie erwarten es. Sie wollen verf&uuml;hrt werden. Daf&uuml;r bezahlen sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Sex kommt es immer gleich beim ersten Treffen. Die Frauen wollen nicht erst schnuppern. Als Begleitung ins Theater hat ihn bisher noch keine gebucht. Auch nicht f&uuml;r einen gesellschaftlichen Auftritt. Die Frauen, die ihn buchen, wollen ihn f&uuml;r sich haben, deshalb greift auch die Mundpropaganda als Marketinginstrument nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Businessplan hat Marcel nie gemacht. Er hat sich ganz einfach ein zweites Handy gekauft. Und ein Inserat in Annabelle geschaltet. Er schrieb nur: Callboy. Und dann die Handynummer. Bereits nach einer Woche klingelte das Telephon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>ie erste Kundin h&auml;tte seine Mutter sein k&ouml;nnen. Man traf sich in einer Bar, und sie kam gleich zur Sache. Marcel hegte zu Beginn noch die Hoffnung, die Dame wolle vielleicht nur ein wenig plaudern. Stattdessen sagte sie: G&ouml;mmer grad zu dir? Die Frau war 55 und korpulent. Er 25 und gut aussehend. Das f&auml;ngt ja schon gut an, dachte er zuerst. Dann: Wenn du die schaffst, schaffst du alle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen hat Marcel viele Frauen gehabt und bei jeder von neuem gelernt: Frauen sind sehr viel w&auml;hlerischer als M&auml;nner. Der Mann geht ins Bordell, sagt Marcel, verrichtet sein Gesch&auml;ft und kommt nach zwanzig Minuten wieder raus. Frauen hingegen wollen keine schnelle Nummer. Ausdauer im Bett geh&ouml;rt zur Grundausstattung f&uuml;r jeden Callboy, sagt Marcel. Sonst l&auml;uft dir die Frau davon. Frauen suchen das Sinnliche. Massieren steigert die Gef&uuml;hle, auch Streicheln, wei&szlig; er. Und sonst halt: das normale Programm. Einen Superhengst mit Tigerh&ouml;schen suchen sie nicht. Sie wollen ganz einfach guten, normalen Sex. Und vor allem: Aufmerksamkeit, als Frau wahrgenommen werden. Au&szlig;ergew&ouml;hnliche Praktiken, sagt er, wurden bisher nie verlangt. Auch der Orgasmus, hat Marcel gelernt, sei f&uuml;r viele Frauen nicht so wichtig. Aber da&szlig; man ihr zuh&ouml;rt, sie in den Arm nimmt, schon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit anderen Worten: Selbst wenn die Frau sich Liebe kauft, sucht sie sich nicht blo&szlig; einen Mann f&uuml;rs Bett. Sie sucht sich einen Partner, mit dem sie auch sonst gern zusammen w&auml;re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Drittel von Marcels Kundinnen sind Karrierefrauen. Der Rest bezahlt ihn aus der Haushaltskasse. Sie haben einen reichen Mann, sagt Marcel, doch der ist nie da. Sie leben im goldenen K&auml;fig. Sie haben alles, aber das Wichtigste fehlt: Anerkennung, Liebe, Z&auml;rtlichkeit. Ich gebe ihnen das, f&uuml;r einen Moment.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die l&auml;ngste Stammkundin hielt ihm sieben Jahre die Treue.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>D<\/strong>a&szlig; Frauen durchaus bereit sind, k&auml;ufliche sexuelle Abenteuer einzugehen, wei&szlig; auch Maggie Tapert (55). Die in Z&uuml;rich wohnhafte Amerikanerin ist so etwas wie eine Zuh&auml;lterin, f&uuml;r ganze Gruppen sogar. Wahrscheinlich h&ouml;rt sie das nicht besonders gern, denn sie selbst bezeichnet sich als Hohepriesterin. Die esoterische Verkleidung ist ihr Marketingtrick. Und der funktioniert: Die Frauen bekommen das Gef&uuml;hl, da&szlig; sie nicht f&uuml;r einen Mann zahlen, sondern f&uuml;r ein Selbsterfahrungsseminar. In ihrem Arsenal h&auml;lt Maggie Tapert f&uuml;nf Archetypen &raquo;heiliger Huren&laquo;, wie sie die M&auml;nner nennt. Heilig deshalb, weil sie kein Geld f&uuml;r ihre Dienste verlangen. Maggie Tapert diente selbst w&auml;hrend Jahren als heilige Hure bei Ritualen f&uuml;r M&auml;nner. Vor 15 Jahren kehrte sie die Rollen um. Zweimal im Jahr veranstaltet sie ein dreit&auml;giges Tempelritual f&uuml;r Frauen, wo diese handverlesenen M&auml;nner zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hohepriesterin Maggie Tapert strahlt eine beinah beklemmende Tabulosigkeit aus, was Sexualit&auml;t anbelangt. Sie spricht von Ficken und von Wichsen, als handle es sich um das &Ouml;len eines Nutzfahrzeugs. Ich benutze bewu&szlig;t eine direkte Sprache, erkl&auml;rt sie, um die verklemmte Einstellung vieler Leute gegen&uuml;ber Sex zu brechen. Das hilft, mit einer Wahrheit in Kontakt zu kommen, die sich Lust nennt. Ihre Aufgabe, sagt Maggie Tapert, bestehe im Wesentlichen darin, den Frauen zu sagen: Du darfst. Egal, was es ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und d&uuml;rfen hei&szlig;t: Spa&szlig; haben jenseits von allen gesellschaftlichen Konventionen. Frauen, sagt sie, denken noch viel zu oft dar&uuml;ber nach: Bin ich wirklich verliebt? Ist er ein guter Partner? Statt: Worauf habe ich heute grad Lust?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maggie Tapert hat sich der Aufgabe verschrieben, aus den Frauen die Lust herauszukitzeln, die blo&szlig;e, unkontrollierte. Falls n&ouml;tig mit brachialen Methoden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Dokumentarfilm, den ihre Tochter und ihr Schwiegersohn gedreht haben, zeigt, wie ihr das gelingt. Der Film beginnt damit, wie sie mit einem selbst gebastelten Orgasmusmobil an ein Festival in der W&uuml;ste von Nevada tingelt. Es sieht aus wie ein Indianerzelt, sie zieht es hinter sich her. Per Lautsprecher fordert Maggie Tapert neugierige Frauen auf, einzutreten und sich darin mittels Vibrator einen Orgasmus zu bescheren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob die Frau, die als Erste hineingeht, dies tats&auml;chlich spontan tut oder ob sie als Eisbrecherin f&uuml;r den Film fungiert, sei dahingestellt. Jedenfalls wird ihr St&ouml;hnen auf den mobilen Lautsprecher &uuml;bertragen. Als sie rauskommt, gratuliert ihr Maggie Tapert wie einem Kind, das soeben das erste Mal ins T&ouml;pfchen gemacht hat. Und wendet sich wieder dem Mikrophon zu: Wer wagt es als N&auml;chste?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der weibliche Orgasmus wird bei Maggie Tapert zur ganz normalen K&ouml;rperfunktion. Sie banalisiert. Sie entmystifiziert. Gnadenlos. Mit heilig hat das Ganze nichts zu tun. Doch genau da, sagt Maggie Tapert, liegt das Problem. Beten ist heilig und vielleicht noch Meditieren, den Rest spalten wir ab. Dabei gibt es nichts Heiligeres als die Lust.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W<\/strong>enn sie sich also Hohepriesterin nennt, ist ein Augenzwinkern dabei. Sie wei&szlig;, da&szlig; ihre m&auml;nnlichen Archetypen Prostituierte sind, auch wenn sie kein Geld daf&uuml;r nehmen. Das ist ein wichtiger Punkt, betont Maggie Tapert. Denn M&auml;nner haben sich seit Jahrtausenden daran gew&ouml;hnt, f&uuml;r sch&ouml;ne Frauen den Geldbeutel zu z&uuml;cken. Frauen nicht. Maggie Tapert sagt: Du kannst die Prostitution f&uuml;r den Mann nicht einfach umkehren und meinen, es funktioniere so auch bei der Frau. Frauen wollen begehrt sein, sagt sie. Wenn sie pl&ouml;tzlich zahlen m&uuml;ssen, f&auml;llt das Gef&uuml;hl des Begehrtseins wie ein Kartenhaus in sich zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Praktische an Maggie Taperts heiligen Prostituierten: Bei ihr zahlen die Teilnehmerinnen im Voraus, per Einzahlungsschein. In Form von Kurskosten, 600 Franken f&uuml;r drei Tage, Kost und Logis exklusive. Reich wird Maggie Tapert dabei nicht, sie sieht es eher als Mission. Sie bezeichnet sich auch als Sexheilerin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An Maggie Taperts Tempelritualen nehmen im Schnitt zwanzig bis drei&szlig;ig Frauen teil, sie sind zwischen drei&szlig;ig und sechzig Jahre alt. Kaum zu fassen, wie diese Frauen einfach so die H&uuml;llen fallen lassen, sogar im Film. Sie liegen und sitzen im Kreis, auf Matten wie im Turnunterricht, und machen sich &uuml;ber ihren K&ouml;rper her, als w&auml;re es das erste Mal. Die Vibratoren surren pflichtbewu&szlig;t. M&uuml;nder &ouml;ffnen sich und entbl&ouml;&szlig;en Zahnplomben. Es st&ouml;hnt &uuml;berall.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frauen, ungeschminkt. Keine Models. Sondern Frauen, die das Leben zeichnet. Frauen, die Kinder geboren haben, Frauen mit &Uuml;bergewicht. Und: Frauen, die Spa&szlig; haben, hemmungslos. Doch das ist nur die Vorbereitung f&uuml;r den eigentlichen H&ouml;hepunkt: das Tempelritual.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>G<\/strong>anz aufgeregt dekorieren die Frauen einen sch&ouml;nen Raum. Verteilen Kissen, spannen T&uuml;cher und machen sich zurecht. Jede bemalt eine Maske, die sie sich anzieht, und schl&uuml;pft in Reizw&auml;sche. Im Nebenraum ziehen sich die f&uuml;nf M&auml;nner aus und stimmen sich geistig auf ihre Aufgabe ein, wie vor einem Boxkampf. Auch sie schn&uuml;ren sich Masken um. Augen und Mund bleiben frei, K&uuml;ssen geh&ouml;rt dazu, wenn es die Frauen w&uuml;nschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Aufregendste f&uuml;r die Frauen, sagt Maggie Tapert, ist, da&szlig; sie sich die M&auml;nner aussuchen k&ouml;nnen. Sie fl&uuml;stern Maggie Tapert ins Ohr, welchen sie m&ouml;chten und was er mit ihnen tun soll. Maggie Tapert nimmt sie an der Hand und f&uuml;hrt sie zum gew&uuml;nschten Mann, eine nach der andern. Einige wollen mehrere M&auml;nner aufs Mal. Oft dauern die Rituale bis zwei Uhr morgens. Bis jede Frau genug hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den 15 Jahren, in denen Maggie Tapert diese Rituale veranstaltet, sei es noch nie vorgekommen, da&szlig; ein Mann eine Frau abgelehnt habe. Im bedingungslosen Angenommenwerden liege eine heilende Kraft, sagt Maggie Tapert. Und vermutlich auch ein wesentlicher Grund f&uuml;r den Erfolg ihres Business.<\/p>\n<p style=\"text-align: center; margin-bottom: 16px;\"><a title=\"M&auml;nner f&uuml;r gewisse Stunden\" href=\"\/general\/divers\/3071107200.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M&auml;nner f&uuml;r gewisse Stunden<\/a> (<a href=\"http:\/\/get.adobe.com\/reader\/?loc=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF<\/a>, 1&#8217;575&#8217;180 Bytes)<\/p>\n<div class=\"protable-outer\">\r\n\t<div class=\"protable-inner\">\r\n\t\t\t<div class=\"protable-bg\">\r\n\r\n\t<div class=\"prefancy fancy\"><span><h4 class=\"protable-hdr\">Reportage<\/h4><\/span><\/div>\t\r\n\r\n\t\r\n\t<dl>\r\n\t\t<dt>Zeitschrift<\/dt>\r\n        <dd>Annabelle<\/dd>\t\r\n    <\/dl>\r\n\t\r\n\t<dl>\r\n\t\t<dt>Ausgabe<\/dt>\r\n        <dd>20\/07 vom 07.11.2007<\/dd>\t\r\n    <\/dl>\r\n\t\t\t\r\n\t\t<\/div>\r\n\t<\/div>\r\n<\/div>\n<h4 class=\"headline-title entry-title\" itemprop=\"headline2\"><div class=\"prefancy fancy\"><span class=\"hdln-badge\"><a title=\"&Uuml;bersicht\" href=\"\/de\/p-01030000\/\">&Uuml;bersicht<\/a> &diams; <a title=\"&Uuml;ber mich\" href=\"\/de\/p-01000000\/\">&Uuml;ber mich<\/a><\/span><\/div><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sexmarkt f&uuml;r M&auml;nner boomt. 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